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welche sich in demselben nachweisen lassen, erklären sich vollständig aus der großen Eile, in welcher er schrieb; hätte er irgend Zeit gehabt, die Feile anzulegen, so würde er ohne große Mühe die manchen Mängel haben entfernen können, deren Vorhandensein man sehr bes dauern muß; und dieses zwar deßhalb um so mehr, weil seine Romane ungeachtet mancher Fehler fortdauernd ihre Leser finden werden. Man darf es hierbei nicht unerwähnt lassen, daß der Bau seis ner Perioden zwar sehr einfach ist, daß aber die Wahl der Wörter, wobei alles Sächsische mit großer Aengstlichkeit vermieden zu sein scheint, oft wahrhaft komisch ist. Brown gebraucht die lateinischen Ausdrücke bei Wendungen, in welchen sie sonst nirgendwo vorkom men: so sagt er z. B. her decay was eminently gradual, trieved reflection, extenuate the danger, immersed in perplexity, obvious to suppose, piously interrogated u. f. w.

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copious epistle,

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Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß Brown erfinderisch war, aber es fehlte ihm ein eigentlich günstiges Material, und während man dem Talente des Schriftstellers alle Achtung zollen muß, kann man mit der Wahl seiner Gegenstände doch eigentlich nie recht zufrieden sein. Seine Phantaste wendete sich mit besonderer Vorliebe dem Entseßlichen und Schrecklichen zu und schuf eine Menge von Personen und Scenen, die nur Abscheu erregen konnten und äußerst unnatürlich waren. Seine Gestalten sind oft bloße Caricaturen oder Ungeheuer, welche weder in der Sitte noch in den Meinungen des Volkes wurzelten. Seine ganze Richtung ist überhaupt außerordentlich düster, und er führt sogar seine Leser nicht allmålig zu den Schreckensscenen hin, sondern ohne alle Vorbes reitung und Schonung stürzt er sie von einer Täuschung und von einem Schmerze in den andern. Es fehlt bei ihm durchaus an Abwechslung, und von Humor z. B. besißt er keine Spur. Während feine männlichen Charaktere, wie schon oben bemerkt wurde, im Allgemeinen gut gezeichnet sind, kann man seinen Frauengestalten nicht gerade dasselbe Lob spenden, und sie nehmen unser Interesse nur wenig in Anspruch; als eine Ausnahme hiervon verdienen nur Conftantia in Ormond und Louisa in der unvollendeten Erzählung Ste= phen Calvert angeführt zu werden, welche wirklich sehr gelungen sind und in deren Durchführung eine Reihe von seinen psychologis fchen Andeutungen nicht zu verkennen ist.

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Nach Brown muß sogleich Richard H. Dana genannt werden, welcher in America selbst verhältnißmäßig zwar wenig Anerkennung nur gefunden hat, derselben aber weit würdiger war als mancher Andere, welchem sie seine Landsleute in verschwenderischer Weise spendeten. Wir verweisen übrigens unsere Leser auf Bd. XIII. p. 100, wo bei Besprechung der Gedichte Dana's schon ganz ausführlich auch seiner verdienstlichen Leistungen auf dem Felde des Romans ge= dacht worden ist und wo auch seine anderen prosaischen Schriften bereits besprochen wurden.

Kein Schriftsteller America's ist wohl so viel gelesen und in so viele Sprachen überseßt, als Cooper, zu welchem wir uns jest wenden. Sein Geist hatte volle, kräftige Nahrung aus dem heimathlichen Boden gezogen, und seine Werke erschienen deßhalb als ein treuer Spiegel jener großartigen, transatlantischen Natur, deren Anblick für Europa völlig neu und wunderbar war. Er besaß eine gewisse Aehnlichkeit mit Walter Scott, indem er die Phantasie mächtig zu ergreifen und die Theilnahme seiner Leser auf das Lebendigste bis zum Schluffe zu fesseln wußte; aber er hatte weder den Humor und das Pathos noch auch die Feinheit und Zartheit in der Auffassung der Charaktere, welche uns bei dem schottischen Dichter so sehr erfreut; beide waren übrigens praktische Männer, denen es weder an Kraft noch auch an Muth fehlte, mit der rauhen Wirklichkeit der Welt den Kampf zu bestehen.

James Fenimore Cooper wurde am 15, September 1789 in Burlington (New Jersey) geboren; sein Vater, welcher das Amt eines Richters bekleidete, legte den ersten Grund zu einer Niederlassung am Otsego See, die man später nach ihm Cooperstown benannte. Der reichbegabte Knabe erhielt eine tüchtige wissenschaftliche Ausbildùng und zeichnete sich ganz besonders durch seinen Eifer für das Studium der klassischen Sprachen aus. Nachdem er im 3. 1805 Vale College verlassen hatte, erhielt er eine Stelle als Seecadet ; während seiner sechsjährigen Dienstzeit in der Marine gewann er durch die Offenheit und Redlichkeit, welche in seinem ganzen Wesen lag, wie auch durch seine große Kühnheit und Entschlossenheit allseitige Achtung und Zuneigung. Reich an Erfahrungen zog er sich in das Privatleben zurück, verheirathete sich, blieb eine Zeitlang in Westchester und nahm dann in Cooperstown seinen dauernden Wohnsiz. 1821 begann er seine schriftstellerische Laufbahn durch die Her

ausgabe eines Werkes (Precaution), welches das häusliche Leben in England schilderte und im Ganzen nur sehr geringe Hoffnungen erregte. Dauernd wurde sein Ruhm dagegen durch den kurz darauf erscheinenden Roman The Spy begründet; merkwürdiger Weise nah inen die americanischen Blätter nur sehr wenig Notiz von diesem Werke oder sprachen sich auch sogar ungünstig über dasselbe aus. Im Auslande dagegen fand das Buch reißenden Abfaz; es wurde in sehr kurzer Zeit fast in alle lebenden Sprachen überseßt, und auch America fing dann endlich an zu begreifen, welch einen Schaz es in dem Verfasser dieses Romans besize. 1823 gab Cooper die Pioneers heraus, ein ziemlich schwaches Werk, welches nach der Ansicht Vieler als ein Beweis dafür angesehen wurde, daß der Verfasser sich ausgeschrieben habe und nichts Neues und Anziehendes mehr werde bringen können. Da erschien plöglich The Pilot, der erste von jenen bedeutenden Seeromanen, welche den Ruhm des Schriftstellers so erhöht haben und eine ganz andere Kenntniß des Seewesens bekunden, als sie von Andern z. B. selbst von W. Scott in dem Pirate dargelegt ist.

Durch das Intereffe, welches sich an das Leben eines Seemanns knüpft, öffnete er eine neue Fundgrube für den Roman, und der Erfolg, welchen seine Schöpfungen hatten, zeigte sich schon zur Genüge in den unzähligen Nachahmungen. Smollet's Schilderungen sind im Vergleich damit nur eine Art von Caricatur, während uns Cooper das Meer mit allen seinen Launen anschauen läßt:

,,Calm or convulsed, in breeze, or gale or storm.“

Seit dieser Zeit war er im Schaffen unermüdlich, und fast jedes Jahr brachte von ihm eine neue Schrift. Seine 34 Romane erschienen unter folgenden Titeln: The Spy, The Pioneers, The Pilot, Lionel Lincoln, The Last of the Mohicans, The Prairie, The Red Rover, The Wept of Wish-ton-Wish, The Water Witch, The Bravo, The Heidenmauer, The Headsman of Berne, The Monikins, Homeward Bound, Home as Found, The Pathfinder, Mercedes of Castile, The Deerslayer, The two-admirals, Wingand-Wing, Wyandotte, Autobiography of a Pocket Handkerchief, Ned Myers, Ashore and afloat, Miles Wallingford, Satanstoe, The Chainbearer, The Red Skins, The Crater, or Vulcan's Peak, Oak Openings, or the Bee-Hunter, Jack Tier, or

the Florida Reef, The Sea Lions, or the Lost Sealers, The Ways, or the Hour. Das lezte dieser Werke, welche meistens aus zwei Bänden bestanden, erschien im J. 1850. Außerdem besigen wir von ihm noch eine History of the United States Navy in 2 Bdn., Notions of the Americans, by a Travelling bachelor in 6 Bon., Sketches of Switzerland 4 Bde., ein kleines politisches Werf The American Democrat und A Letter to his Countrymen. Im Jahre 1827 begab sich Cooper auf eine Reise nach Europa und hielt sich dort in verschiedenen Ländern etwa 10 Jahre auf, wo er Verbindungen mit den bedeutendsten Persönlichkeiten anknüpfte und fast überall eine achtungsvolle und freundliche Aufnahme fand. Bei seiner Rückkehr nach America erlitt feine Popularität einen bedeutenden Stoß, indem er in verschiedene persönliche Streitigkeiten verwickelt wurde und andrerseits die americanische Presse in mehreren seiner Romane aristokratische Tendenzen witterte und ihn darüber sehr heftig angriff. Cooper, hatte diesen Vorwurf nicht verdient, da er vielmehr sehr entschieden demokratische Ideen hegte und dieselben auch im Auslande nie verleugnet hatte.

Als er sich von den Regierungsformen und Unterthanen einer Monarchie umgeben sah, da wurden alle feine republicanischen Gefühle auf eine fieberhafte Weise in ihm aufgeregt, und es fehlte ihm sogar àn Kraft, fie objectiv mit Rücksicht auf den Geist und das Wesen des Volkes zu betrachten; sondern er sah vielmehr Alles ganz subjectiv von seinem eignen Standpunkte des schroffesten Republicanismus an. Während er sich aber somit auf dem Continente in seinem ganzen Thun und Treiben stets als den entschiedensten Americaner zeigte, fühlte er sich nach seiner Rückkehr in die Heimath durch den Anblick so mancher Mißbräuche äußerst unangenehm berührt, und er war nicht der Mann danach, seine Verstimmung zu verheimlichen, wodurch er natürlich bei dem eigensinnigen Bruder Jonathan vielfachen Anstoß erregen mußte. Er fühlte sich getrieben, politische Tendenzromane zu schreiben und wir haben von ihm in dieser Richtung z. B. in seinem Ravensnest, in welchem er gegen die Tendenz einer demokratischen Partei ankämpft, die das alte Verhältniß zwischen Gutsherren und Pächtern auflösen und Leztere zu unabhängigen Eigenthümern zu machen sich bestrebte, eine ganze Reihe von Abhandlungen über politische Dekonomie. Politik war nun zwar nicht gerade die starke Seite unseres Schriftstellers; er ward leidenschaftlich und

persönlich und die eingestreuten beißenden Bemerkungen entfremdeten ihm durch ihre Schärfe und Wahrheit Vieler Herzen.

Am 14. September 1851 machte ein schneller Tod seinem rastlosen Leben ein Ende; er starb im dreiundsechzigsten Jahre in Cooperstown, und überall ward die Trauer um den großen Mann in America aufrichtig empfunden; die Abneigung seiner Gegner hatte aufgehört, und sein Tod glich dem Sturze einer jener großen alten Eichen, welche er so oft in seinen Romanen geschildert hat.

Fern von aller Nachahmung klassischer Vorbilder beschreibt er mit einer außerordentlichen Frische, Tiefe und Wahrheit eine gigantische Natur. Seine Schöpfungen fanden bei seinem ersten Auftreten großen Beifall; der Dichter und seine Leser waren von demselben Fleisch und Blute, und die patriotischen Zeichnungen wurden, nachdem man sie kennen gelernt hatte, mit der Gluth einer ersten Liebe aufgenommen. Der Geschmack des americanischen Publikums änderte sich indessen in späterer Zeit; man wollte etwas Neues, und suchte es meistens in der Fremde. Daß Cooper gerade im Auslande so außerordentlich populär geworden, ist leicht erklärlich, weil er der alten Welt das materielle Glück und die physische Größe der neuen schilderte, und weil er diese Aufgabe in so vorzüglicher Weise gelöst hat. Das ferne Land liegt durch ihn dem Leser deutlich vor Augen, und das entzückte Auge überfliegt mit Bewunderung das anschauliche lebende Bild.

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Seine ersten Romane haben eine entschieden transatlantische Färbung; die Schilderungen sowohl als auch die Personen und ihre Gedanken sind ächt americanisch, und Cooper zieht die Leser durch die Treue und Wahrheit seiner sorgfältigen Darstellung an. Fehlt es auch dem Colorit zuweilen etwas an Wärme und der Verwickelung an eigentlicher Anziehungskraft, erscheint seine bis auf das Kleinste sich erftreckende Sorgfalt auch zuweilen ein wenig trocken, schreitet auch die Handlung oft nur sehr langsam voran, so verbleibt dem Ganzen doch ein eigenthümlicher Zauber, und schon die Neuheit der Schilderungen reizt unwiderstehlich zum Weiterlesen. Cooper war ein ächt nationaler Schriftsteller, indem er sich gleich von seinem ersten Auftreten an ernstlich bemühte, die Freiheit und Würde seines Vaterlandes zu verherrlichen und dasselbe der Welt in seiner rohen Größe und ursprünglichen Frische mit starken, kühn gewählten Farben zu malen.

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